WETTBEWERB KRESSBRONN AM BODENSEE (PROJEKT 354)
NICHTOFFENER STÄDTEBAULICHER WETTBEWERB
QUARTIERSENTWICKLUNG BACHTOBEL IN KRESSBRONN AM BODENSEE
NEUBAU WOHNANLAGE MIT 156 WOHNEINHEITEN, KITA, ÄRZTEHAUS, FEUERWEHR, PARKHÄUSERN, TIEFGARAGEN

AUSLOBER GEMEINDE KRESSBRONN AM BODENSEE
EIN 2. PREIS
KRESSBRONN AM BODENSEE 2019

TEAM:
TIMOTHY THEUNE
ANGELA CHRISTOPH
MAREIKE DRUX

PERSPEKTIVE:
FFM-ARCHITEKTEN. ARNO ROTHACKER

Grüne Mitte
Leitidee des „Bachtobelquartiers“ ist die Errichtung einer urbanen Gemeinschaft um eine gemeinsame „Grüne Mitte“. Mittels drei längsförmigen Stadtbausteinen (Clustern) an den Rändern der „Grünen Mitte“, welche jeweils mit ihrem Innenhof einen eigenen Gemeinschaftsbereich bilden, sowie zwei weiteren polygonalen Baufeldern des „Feuerwacheclusters“ und der Reihenhäuser westlich des bestehenden Hofgutes, bildet sich eine prägnante städtebauliche Figur, die dem Quartier eine starke Identität verleiht.

Baufelder und Freiräume
Gleichzeitig werden durch die großzügigen Freiräume zwischen den „Clustern“ die umliegenden Wohnsiedlungen mit dem neuen Bachtobelquartier verknüpft.
An diesen Schnittstellen befinden sich auch die öffentlichen Nutzungen wie Ärztehaus, das Stadtarchiv (als sichtbare, moderne Scheune), die Kita(s) sowie Zugänge zu weiteren Grünflächen außerhalb des Quartiers.
Dem an der Friedrichshafener Straße gelegenen Stadtplatz kommt mit dem gestalteten, terrassierten Bachverlauf und seiner zur Anbindung an das angrenzende Wohnviertel eine für die Zukunft prägende Bedeutung für die Entwicklung des Stadteingangs zu.

Nutzungen, Konzentration und Mischung
Grundsätzliches städtebauliches Ziel ist die Nutzungsmischung innerhalb der einzelnen Baufelder.
Die zwei Baufelder mit gemeinschaftlicher Nutzung beherbergen zum einen die Feuerwehr und östlich des Feuerwehrhofes, geschützt durch eine schalldämmende Laubengangverglasung, Wohnungen für städtische Mitarbeiter sowie eine Seniorenwohnanlage mit Bewohnercafé/ Mehrzweckräumen.
Das zweite Baufeld mit gemeinschaftlicher Nutzung durch geförderten Mietwohnungsbau zur Straße (mit Läden und Vereinsnutzung im EG), den Kita(s) mit Freiflächen zur „Grünen Mitte“, sowie dem Ärztehaus und dem Stadtarchiv an den Hofköpfen geprägt.
So konzentrieren sich die öffentlichen Nutzungen an der Friedrichshafener Straße.

Die beiden Höfe mit der Wohnbebauung nördlich der „Grünen Mitte“ und an der Tettnanger Straße sind durch die Mischung unterschiedlicher Wohnformen geprägt.
So entstehen jeweils in beiden Baufeldern um den Hof zur „Grünen Mitte“ gerichtet Reihen- / Ketten- und Hofhäuser (z. T. mit Einliegerwohnung) und zur Straße Mehrfamilienhäuser als Bauträgermodell/ genossenschaftlicher Wohnungsbau mit 1,5 – 4 Zimmerwohnungen.
Ein Kopfende des Hofes bildet jeweils ein Mehrfamilienhaus (Laubengangtypus) als genossenschaftlicher Wohnungsbau mit unterschiedlichen Wohnungsgrößen.
Mit den unterschiedlichen Wohntypen und der Erschließung der Wohngebäude über den Hof wird die Gemeinschaft und soziale Mischung in diesen Clustern ermöglicht und gefördert.

Erschließung / Ruhender Verkehr:- das (fast) autofreie Quartier –
Das Konzept zielt darauf ab, die beiden bereits vorhandenen Straßen für die Erschließung des Gebietes zu nutzen. So wird entsprechend der Verlangsamung des PKWs- und LKW-Verkehrs durch Kreisel und Verkehrsinseln, diese Wirkungsweise durch direkte Zufahrten zu den Tiefgaragen und Einfahrten zusätzlich gestärkt.
Im Norden des Quartiers ergänzt eine Stichstraße für Anwohner (von der Tettnanger Straße aus) die Erschließung des nördlichen Baufeldes.

Stellplatzkonzept
Ziel ist die Umsetzung eines möglichst autofreien/ lärmfreien Quartiers.
So erfolgen alle Erschließungen – auch für den ruhenden Verkehr – nur an den jeweiligen Randzonen der Baufelder. Dementsprechend werden in der allgemeinen Wohnbebauung die Stellplätze in Tiefgaragen unter den Mehrfamilienhäusern und Hofflächen errichtet. Die Stellplätze für die Reihen-, Hof- und Kettenhäuser werden am Kopf des jeweiligen Baufeldes in mit Holz verkleideten „Parkscheunen“ – einfache 2 geschossige Parkdecks mit Split-level-Erschließung – errichtet.
Lediglich wenige barrierefreie Stellplätze im Kopfbereich der Wohnflächen werden zugelassen. Die Hofinnenflächen sind so gestaltet, dass Anlieferungsverkehr möglich ist, die Flächen jedoch als Spiel-, Aufenthalts- und Ruhezonen dienen.
Fahrradeinstellplätze befinden sich teilweise überdacht in den Innenhöfen.
Stellplätze für die Feuerwehrmitarbeiter sind oberirdisch (teils offen überbaut) im Nordosten, kreuzungsfrei zum Feuerwehrverkehr und von der Wohnbebauung abgewandt angeordnet.

Bautypen, Geschossigkeit
Die Geschossigkeit der Gebäude (2- 4 Geschosse) und deren städtebauliche Setzung als offene Bebauung (mit Ausnahme der Feuerwehr), sowie die Dachformen greifen die ortstypischen Bauweisen auf.
Die Höhenstaffelung zur „Grünen Mitte“ auf 1- 3 Geschosse und die Kleinteiligkeit der Bebauung verstärkt den Entwurfsgedanken des „Dorfangers“, während die 3- 4 geschossige Bebauung an der „Friedrichshafener Straße“ die Idee des urbanen Stadteinganges verfolgt.

Freiflächen – öffentlich / halböffentlich / privat
Die „Grüne Mitte“ bildet mit ihren Freiflächen zwischen den Baufeldern, welche das Quartier mit der Umgebung vernetzen, die öffentliche Freifläche. Je nach Lage im Quartier sind diese Freiflächen,- als großzügige Spielfläche für Jung und Alt in der „Grünen Mitte“,- als Stadtplatz am Bachtobel,- als Retentions- und ökologische Ausgleichflächen im Norden unterschiedlich gestaltet. In diese Grünflächen sind die verbindenden Fuß- und Radwege eingebettet.
Die halböffentlichen Flächen befinden sich als Gemeinschaftsgärten und Ruhezonen in den Innenhöfen der Cluster. Hier sind auch Flächen für Mietergärten vorgesehen.
Weitere private Freiräume befinden sich im Süden und Westen der Reihen,- Hof- und Kettenhäuser der Baufelder angrenzend zur öffentlichen Grünfläche.
Dorthin orientieren sich auch die Freiflächen der Kita und deren Erweiterung.

Energiekonzept / Nachhaltigkeit, Materialien
Ziel ist es möglichst viel regenerative Energie zu verwenden und auch auf dem Baufeld zu erzeugen.
So werden alle Flachdächer begrünt und ermöglichen die Nutzung von Solarenergie.
Darüber hinaus sind in den Clustern die Möglichkeiten für Nahwärmenutzung (z. B. durch zentrale Pelletheizungen etc. gegeben.
Die Schrägdachflächen der Parkscheunen sollen zur direkten Erzeugung von Strom mit Photovoltaikelementen bestückt werden.
Vorrangig soll der Holzbau als klimafreundliche Bauweise gewählt werden, der in der vorhandenen Bebauung (Scheunen, landwirtschaftliche Gebäude), bereits eine prägende Rolle spielt.
Einzelne Bausteine, wie die Laubenganghäuser können kostengünstig aus vorgefertigten Massivholzelementen gebaut werden.
Ergänzt wird die Bebauung mit weiteren ortstypischen Materialien wie Mauerwerk / Ziegel und mineralischem Putz.

01_191028_354_Perspektive_Wohnhof_1600pxPerspektive Wohnhof

02_191028_354_Perspektive_Ortseingang2_1600pxPerspektive Ortseingang

03_191204_354_LP_1-500Lageplan

04_191204_354_SP_1-2000Schwarzplan

05_191204_354_PictosKonzept

06_191204_354_Vertiefung_1-200Grundrisse (Vertiefung)

07_191204_354_SC_1-500Schnitte